Fernwärmetage 2026: Dekarbonisierung zwischen Anspruch und Realität
Die 21. Fernwärmetage fanden am 25. und 26. März in Graz statt und brachten mehr als 300 Vertreterinnen und Vertreter der österreichischen Fernwärmebranche zusammen. Im Zentrum der Veranstaltung standen die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, Investitionsfragen sowie die gesellschaftliche Akzeptanz.
Bereits zur Eröffnung betonten Gerhard Fida (FGW) und Werner Ressi (Energie Steiermark), dass Fernwärme eine tragende Säule der Energieversorgung bleibt. Gleichzeitig stellen der Ausbau der Infrastruktur, die Dekarbonisierung und die Sicherstellung leistbarer Preise zentrale Herausforderungen dar.
Klimaschutz vs. Leistbarkeit
In der Paneldiskussion wurde deutlich, dass ein Spannungsfeld zwischen Klimazielen und Kosten besteht. Peter Filzmaier verwies darauf, dass die Zahlungsbereitschaft für Energie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sinkt und Klimaschutz an Priorität verliert.
Theresa Eckhard hob hervor, dass mangelnde Preistransparenz das Vertrauen vieler Kundinnen und Kunden beeinträchtigt. Vertreter der Branche – darunter Werner Ressi, Adolf Melcher und Gerhard Löffler – betonten hingegen die langfristigen Vorteile erneuerbarer Wärme, insbesondere in Bezug auf Preisstabilität und Versorgungssicherheit.
Ein zentraler Punkt bleibt jedoch: Die hohen Anfangsinvestitionen stellen eine wesentliche Eintrittsbarriere dar.
Strategien, Märkte und Investitionen
Gerald Aue (Compass Lexecon) präsentierte eine laufende Studie zu den Beiträgen der Fernwärme zur Energie- und Wirtschaftspolitik. Parallel dazu stellte Heideline Adensam (EU-Kommission) die geplante europäische Wärme- und Kältestrategie vor, die verstärkt auf Abwärme, erneuerbaren Strom und Systemintegration setzt.
Ein Blick nach Deutschland durch Nils Thamling (Prognos AG) zeigte die Dimension der Transformation: Bis 2045 sind Investitionen von über 100 Milliarden Euro erforderlich, um die Fernwärme massiv auszubauen und zu dekarbonisieren.
Technologische Lösungen im Fokus
Am zweiten Veranstaltungstag standen konkrete Umsetzungsprojekte im Mittelpunkt:
Ergänzend erläuterte Christof Horvath (KPC) die Förderbedingungen, während Andreas Oberhammer (EVN) Optimierungspotenziale in bestehenden Anlagen aufzeigte.
Rahmenbedingungen und Akzeptanz
Sabrina Metz und Wolfgang Gruber-Glatzl (AEE INTEC) unterstrichen die Bedeutung von Fachkräften und geeigneten regulatorischen Rahmenbedingungen. Gregor Thenius (AEA) verwies auf die Rolle von Preistransparenz und die Plattform „wärmepreise.at“.
Auch Geothermie wurde als Zukunftsoption diskutiert, unter anderem durch Beiträge von Alexander Wallisch (Wien Energie) und Clara Habeler (FGW).
Die Image-Studie von Verena Priemer zeigt ein insgesamt positives Bild: 79 % der Nutzerinnen und Nutzer sind zufrieden, und die Wechselbereitschaft steigt. Dennoch bleiben Preise und der Wunsch nach Unabhängigkeit zentrale Hürden.
Im Rahmen der Fernwärmetage fand auch eine Fachmesse statt, auf der Produkte und Dienstleistungen präsentiert wurden, die in der Fernwärmeversorgung zum Einsatz kommen. Zusätzlich zu den Fachvorträgen informierten ausgewählte Aussteller der Fachmesse an beiden Tagen in kurzen Produktpräsentationen über technische Innovationen und Verfahren im Fernwärmebau.
Networking und Branchenaustausch
Ein wesentlicher Bestandteil der Fernwärmetage war auch die Abendveranstaltung in der Seifenfabrik Graz. Unter dem Motto „Fernwärme Fever“ bot der Festabend nicht nur Gelegenheit zum Networking, sondern stellte mit musikalischen Elementen der 1960er-Jahre auch einen historischen Bezug zur Entwicklung der Fernwärme in Graz her.
Neben dem informellen Austausch wurde hier auch das „Fernwärme-Staffelholz“ symbolisch übergeben: Die nächsten Fernwärmetage werden 2027 in Wiener Neustadt stattfinden.
Ausblick
Die Fernwärmetage 2026 verdeutlichten: Die Dekarbonisierung der Fernwärme ist technisch machbar und politisch gewollt. Gleichzeitig erfordert sie hohe Investitionen, stabile Rahmenbedingungen und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz.
Der Erfolg der Wärmewende wird letztlich davon abhängen, ob es gelingt, Klimaschutz und Leistbarkeit in Einklang zu bringen.